WITG präsentiert Forschungsergebnisse auf der EUROCORR 2026

Wie beeinflusst die Oberflächenbehandlung die Korrosionsbeständigkeit von Edelstahl? Mit dieser Frage beschäftigte sich das WITG gemeinsam mit der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt in einer aktuellen Untersuchung, die auf der EUROCORR 2026 in Dublin vorgestellt wurde.
Dublin (IRL) – Vom 6. bis 10. September 2026 fand mit der EUROCORR eine der bedeutendsten internationalen Konferenzen im Bereich Korrosion und Korrosionsschutz statt. Forschende und Industrievertreter aus aller Welt nutzten die Veranstaltung, um aktuelle Forschungsergebnisse auszutauschen und neue Ansätze für die industrielle Praxis zu diskutieren. Das Institut für Werkstoffsystemtechnik Thurgau (WITG) war mit einer Posterpräsentation vertreten.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand der nichtrostende Stahl AISI 316L, der unter anderem in der biochemischen und pharmazeutischen Industrie eingesetzt wird. In diesen Bereichen sind nicht nur die Werkstoffeigenschaften, sondern auch die Qualität der Oberflächen von entscheidender Bedeutung. Mechanische Bearbeitungsschritte wie Schleifen oder Polieren können die Eigenschaften einer Oberfläche verändern und damit auch deren Korrosionsverhalten beeinflussen.
Um diesen Einfluss genauer zu untersuchen, verglichen Matthias Sorg vom WITG sowie Prof. Dr.-Ing. Arnulf Hoertnagl und Isabelle Goepfert von der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt verschiedene Oberflächenbehandlungen von AISI 316L.
Als Untersuchungsmethode wurde die elektrochemische Bestimmung der Critical Pitting Temperature (CPT) nach DIN EN ISO 17864 eingesetzt. Die CPT beschreibt vereinfacht ausgedrückt die Temperatur, ab der sich unter definierten Bedingungen eine stabile Lochkorrosion auf der Edelstahloberfläche entwickelt.
Die Untersuchung ging jedoch einen Schritt weiter: Nicht nur die Temperatur, bei der die stabile Lochkorrosion einsetzt, wurde betrachtet. Die Forschenden analysierten auch die elektrochemischen Signale, die bereits vor dem eigentlichen Beginn der stabilen Lochkorrosion auftreten.
Die Ergebnisse wurden anschließend durch Untersuchungen mit dem Rasterelektronenmikroskop (REM) ergänzt. Dadurch konnten die auf den unterschiedlichen Oberflächen entstandenen Korrosionsangriffe direkt sichtbar gemacht werden.
Diese Kombination aus elektrochemischer Untersuchung und mikroskopischer Analyse ermöglicht eine detailliertere Betrachtung der frühen Stadien der Lochkorrosion. Sie liefert damit Informationen, die über die reine Bestimmung der CPT hinausgehen.
Für die Praxis ist das besonders relevant: Bereits kleinste Veränderungen oder Schwachstellen auf einer Edelstahloberfläche können unter ungünstigen Bedingungen Ausgangspunkte für Korrosion bilden. Gerade bei Anwendungen mit hohen Anforderungen an die Oberflächenqualität ist es deshalb wichtig, nicht nur den Werkstoff selbst, sondern auch die Auswirkungen der Oberflächenbearbeitung genau zu verstehen.
Die Untersuchungen dienten dazu, potenzielle Schwachstellen zu identifizieren, die durch mechanische Oberflächenbehandlungen entstehen können und deren Einfluss auf die Korrosion sichtbar zu machen.
Für das WITG steht dabei die Verbindung von wissenschaftlicher Untersuchung und industrieller Anwendung im Mittelpunkt. Moderne elektrochemische Messmethoden können helfen, das Verhalten von Werkstoffoberflächen detaillierter zu charakterisieren und Bearbeitungsprozesse gezielter hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Korrosionsbeständigkeit zu bewerten.
Posterpräsentation auf der EUROCORR 2026

Zum Thema Korrosion hat das WITG zwei kompakte Factsheets erarbeitet.
- "Elektrochemische Messungen im Bereich Korrosion"
- "Bestimmung des kritischen Lochkorrosionspotential (CCP) und der kritischen Lochkorrosionstemperatur (CPT)".
Die Factsheets bieten damit einen praxisorientierten Einstieg in die elektrochemische Korrosionsprüfung und zeigen auf, welche Informationen solche Messungen für die werkstofftechnische Bewertung liefern können.
Sie haben Fragen zu Korrosion, elektrochemischen Prüfverfahren oder zur Bewertung von Werkstoffen und Oberflächen? Ihr Ansprechpartner für Sie bei uns am WITG:
Matthias Sorg, Dipl.-Ing. (FH)
Korrosion | Elektrochemie | Oberflächentechnik
+41 71 666 42 07
Bildunterschrift v.l.n.r: Matthias Sorg (WITG) und Prof. Dr.-Ing. Arnulf Hörtnagl (THWS und von 2016 bis 2021 bei uns am WITG)
Bildquelle: WITG
Veröffentlicht am 15.09.2026
